Passions-Punkte 2009 in Wilhelmshaven / 11. April 18 Uhr vorm T 750 2 Emsstraße

Im Rahmen der Passions-Punkte 2009 wird eine kurze Schilderung der Fakten zum Thema "Truppenmannschaftsbunker" erfolgen. Alle Leser sind herzlich eingeladen. Wir berichten hier nach der Veranstaltung.

 

Nachtrag: Am 11. April 2009 fand die Veranstaltung wie bekanntgegeben von 18 h bis 18.25 h vorm T 750 Emsstraße 2 in Wilhelmshaven statt. Bei bestem Wetter war der Passions-Punkt mit circa 120 Personen gut besucht.

Ablauf der Veranstaltung:

Quelle: www.kirche-am-meer.de

Der Vortrag zum Thema der Passions-Punkte:

" Betonierte Angst

Guten Abend.

Zur Mitte des Zweiten Weltkrieges musste sich Ende 1942 auch die deutsche Kriegsmarine dem eskalierenden Luftkrieg anpassen. Was fehlte, waren sichere Schutzräume für die auf den Stützpunkten stationierten Soldaten und auf den Werften beschäftigten Arbeiter.

So entstand ab 1943 der Truppenmannschaftsbunker mit seinen verschiedenen Bauformen - der damals modernste und sicherste Luftschutzbunkertyp. Von Emden bis Königsberg sind noch heute viele der Schutzbauten an den Küsten vorhanden.

Über 35 mal wurde der Bunker in der Ausführung für 750 Personen, der so genannte T 750 erbaut. In Wilhelmshaven fünfmal:

Zweimal an der Jachmannkaserne, einmal östlich der Kaserne Mühlenweg und zweimal hier an der Banter Kaserne.

Abwandlungen entstanden in Form eines Truppenmannschaftsbunkers für 1100 Personen, der unter anderem nahe Wilhelmshaven in Langewerth gebaut wurde. Noch heute steht das Bauwerk als gesprengte, eingesackte Ruine dort. Eine Verdopplung zweier Bunker des Bautyps hinter uns wurde an der Ebertstraße für 1500 Personen realisiert.

750 Personen durften zunächst regulär diesen Bunker hier betreten. Sie hatten jeweils 0,5 Quadratmeter auf den Sitzplätzen zur Verfügung. Der Bunker wurde in ungefähr halbjähriger Bauzeit zusammen mit dem ersten T 750 an der Banter Ruine bis Herbst 1943 vollendet.

Offiziell durften hier nur Marinesoldaten der Kaserne Schutz suchen. Es gibt jedoch auch Beispiele, dass in die Bunker der Marine in späten Kriegstagen Zivilisten eingelassen wurden.

Inoffiziell hieß dieses Bauwerk hier „U-Bunker“, eine Abkürzung für „U-Bootstützpunktsbunker“.

Geplant wurde er als Schutzraum für die Besatzungen der im Krieg südlich am ehemaligen Scheerhafen gelegenen U-Boote. Drei Schriftzüge mit dem Namen des Bunkers wurden in heller Farbe an die Wände gemalt:

Hier an der Nordseite unten rechts, an der Ostseite genau hinter uns und an der Südseite mittig der Wand.

Als Besonderheit besitzt dieser Bunker neben dem serienmäßigen Lüftungsturm einen Beobachtungsstand auf dem Dach. Er konnte von außen durch eine Steigleiter erreicht werden. Die dortige Besatzung hatte einen Blick über den gesamten Hafen und sollte über eine Telefonleitung während der Angriffe entstehende Brände in den Bunker melden.

Von dort wurden die Nachrichten weiter zum Befehlsbunker auf der Bauwerft bei Tor 1 übermittelt. Da der Stand lediglich splittersicher war, hätte die dortige Mannschaft bei einem Volltreffer auf dem Dach keine Überlebenschance gehabt.
Allein aufgrund des Luftdruckes wären die Lungen und Trommelfelle zerfetzt worden.

In den drei Geschossen des Bunkers befinden sich insgesamt acht große Mannschaftsräume, vier Aborträume sowie diverse kleinere Zellen für die Wachmannschaft. Ein Entgiftungsraum und zwei große Maschinenräume befinden sich im Erdgeschoss.

Schaut man sich die Dachkante an, so ist dort ein schmaler Betonstreifen erkennbar. Er stellt die einen Meter dicke Deckenverstärkung dar, die schon während des regulären Baues gefertigt wurde.

Darunter erst kommt die eigentliche, 2,75 Meter starke Abschlussdecke. Über 6000 Tonnen Beton, das sind über 6 Millionen Kilogramm, lagern über dem dritten Geschoss des Bunkers. Die Außenwände sind 2,50 Meter stark.

Links und rechts befinden sich zwei Splitterschutzvorbauten vor den insgesamt vier Eingängen. Obwohl der Bunker damals als äußerst modern galt, hätte er einem gewollten Volltreffer mit den neuen Bomben der Alliierten zum Kriegsende nicht mehr standgehalten.

Als Beispiel kann die U-Bootproduktionsbunkerbaustelle Valentin bei Bremen gelten. Dort durchschlug eine bunkerbrechende Bombe Anfang 1945 die bereits fertige 7 Meter starke Abschlussdecke.

Stromausfälle während der Angriffe, Erschütterungen, dumpfes Grollen, hohe Luftfeuchtigkeit und Angst in den Augen der Menschen…

Das war der Alltag damals auch hier in dem Bauwerk hinter uns.

Der Bunker, obwohl für 750 Mann zugelassen, konnte weitaus mehr Personen für begrenzte Zeit aufnehmen. In einem baugleichen Objekt der Marineschule Bremerhaven wurde 1944 ein Überbelegungsversuch der Kriegsmarine unternommen. Für kurze Zeit befanden sich bis zu 2800 Personen in dem Truppenmannschaftsbunker. Zu größeren Panikattacken kam es jedoch nicht.

Das Gelände auf dem wir stehen, wurde nach dem Krieg von den Engländern genutzt, unter anderem durch die Prince-Rupert-School. Dieser und auch der Bunker an der Banter Ruine wurden als Schießstände und Lagerräume weitergenutzt.

Die Luftschutzbunker des Zweiten Weltkriegs wurden mit den härtesten Betonmischungen, die damals überhaupt möglich waren, gefertigt. Der so genannte Blaue Beton.

Der Bunker hinter uns mit Baujahr 1943 ist, obwohl er schon einige Wochen nach Vollendung nutzbar war, erst Anfang der 1970er Jahre komplett ausgehärtet, 30 Jahre nach dessen Fertigstellung. Es kann noch bis zu 200 Jahre dauern, bis der Beton von selbst anfängt, langsam zu bröckeln. Deshalb werden auch Bunker wie dieser noch in hunderten Jahren vorhanden sein.

Wie wird man in Zukunft mit diesem geschichtlichen Erbe umgehen? Wie wird man sie in die zukünftige Gesellschaft mit einbinden?

Die beiden monolithischen grauen Klötze der Banter Kaserne werden weiter stehen, wenn die Kasernengebäude bereits längst abgerissen sind.

Selbst unsere Enkel und deren Enkel werden in Wilhelmshaven und anderswo mit Bunkern konfrontiert werden.

Was das für Bauwerke sind, wieso sie gebaut wurden, wie sie gebaut wurden…

…und vor allem das, was in ihnen passiert ist, darf nie vergessen werden.

Vielen Dank. "

 

Vielen Dank an Herrn Busemann und Herrn Morgenstern für das Interesse und die Ermöglichung des Vortrages.

Bitte schauen Sie auch hier.

 

Weitere Impressionen der Veranstaltung

 

Diese Seite ist Bestandteil der Präsenz

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